Schwangerschaft tritt zunehmend im späteren Leben auf.
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Es war lange Zeit ganz normal, dass Frauen sehr jung Kinder bekamen. Als Norm galt die Zeit zwischen 20 und 25 Jahren. Dies hat sich geändert. Mittlerweile sind rund 25 Prozent der Mütter in Deutschland 35 oder älter, wenn sie ihr erstes Kind bekommen. Wir werfen einen Blick auf die Gründe.

Die schleichende Veränderung

1965 wurden die Frauen in Westdeutschland im Schnitt mit 25 Jahren zum ersten Mal Mutter. In Ostdeutschland waren sie mit 24 Jahren etwas jünger. In den 1970er-Jahren kam es zu einem Wandel: Das Alter bei der ersten Geburt stieg langsam an. Wie das Statistische Bundesamt mitteilt, liegt das Durchschnittsalter mittlerweile bei 30 Jahren. Rund ein Viertel der neuen Mamas ist 35, wenn das Kind zur Welt kommt. Auch hier lässt sich die Veränderung messen. So bekam diese Altersgruppe 2002 noch 131.000 Kinder, während es 2012 schon 147.000 Babys waren.

Experten beobachten diese Entwicklung mit Sorge. Ihre Begründung: Je länger Frauen mit der Mutterschaft warten, desto weniger Zeit bleibt ihnen, um Kinder zu bekommen. Sie untermauern diese Ansicht ebenfalls mit Zahlen. So kamen im Jahr 2002 in Deutschland 719.000 Kinder zur Welt. 2012 waren es nur noch 674.000. Aber lässt sich wirklich alles in Zahlen messen? Wie sieht es bei den Müttern aus?

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Die in diesem Text geschilderte Entwicklung hat einen weiteren Vorteil: Die Zeiten, in denen das „Vergnügen mit spätestens 25 vorbei war“, gehören ebenfalls der Vergangenheit an. Viele Frauen berichten, dass sie mit Anfang 20 einen Einschnitt erfahren haben: Das erste Kind kam zur Welt. Ein paar Jahre später folgte vielleicht eine weitere Geburt. Die Zeit bis Mitte 40 war dann mit Verpflichtungen gegenüber der Familie gefüllt. Erst danach fing ihr Leben richtig an. Die neuen Mamas leben ihre Unabhängigkeit. Für einige heißt das, nach der Arbeit ins Online-Casino zu gehen, wo sie Spiele wie Blackjack genießen. Und wer weiß: Vielleicht springt ja dabei genügend Geld heraus, um sich und dem Kind eine materiell sorgenfreie Zukunft zu ermöglichen.

Eine Gesellschaft im Wandel

Als es noch eher die Norm war, früh Mutter zu werden, sah die Welt für Frauen in Deutschland komplett anders aus. Die Gleichberechtigung, wie wir sie heute kennen, war noch Zukunftsmusik. So gab es noch den berühmten Paragrafen mit den „ehelichen Pflichten der Frau“. Vielen Frauen wurde schon früh beigebracht, dass Bildung und Karriere etwas für Männer wären. Die Mädchen sollten die Schule abschließen, vielleicht noch ein paar Jahre im Beruf bleiben, und dann heiraten und Kinder bekommen. Ebenso wurde den Männern beigebracht, dass es ihre Aufgabe sein würde, Frau und Kind zu ernähren. In ländlichen Gegenden galt es sogar als unnormal, wenn junge Menschen mit Anfang 20 noch nicht verheiratet waren. Ganz zu schweigen von dem Druck, mit 25 Kinder und ein Haus zu haben.

Die fortschreitende Gleichstellung der Frau hat dieses Konstrukt ins Wanken gebracht. Viele Frauen vollenden ihr Studium oder ihre Ausbildung und machen dann Karriere im Beruf. Erst wenn sie eine stabile Existenz geschaffen haben, denken sie ans Heiraten – oder auch nicht. Dies ist nachvollziehbar: In einer Gesellschaft, die Gleichstellung propagiert, macht es keinen Sinn, auf den „Märchenprinz“ zu warten, der für den Rest des Lebens die Rechnungen bezahlt. In der Summe haben Frauen mehr Freiheit gewonnen. Gleichzeitig wurde den Männern eine Menge Druck von den Schultern genommen. Ganz zu schweigen davon, dass niemand mehr heiraten muss, um versorgt zu werden. Es ist eine gute Zeit, in der wir leben.

Das Recht der Selbstbestimmung

Da die Position der Frauen in der Gesellschaft viel stärker ist, nehmen sie sich auch die Freiheit, zu entscheiden, wann sie ein Kind bekommen. Diese Freiheit kann nicht durch Unkenrufe wie „Deutschland stirbt aus“ destabilisiert werden. Wenn Experten über Geburtenrückgänge klagen, könnte man erwidern, dass Kinder mehr als Zahlen in Excel-Tabellen sind. Es sind Menschen! Als solche profitieren sie davon, dass das Geburtsalter steigt. Eine Frau mit 35 ist erfahrener, weiser und unabhängiger als das junge Mädchen von einst, das selbst noch ein halbes Kind war, als sie Mutter wurde. Den Kindern hat man damit nicht immer einen Gefallen getan. Auch dass es zu weniger Schwangerschaften von Minderjährigen (und oft damit verbundenen Abtreibungen) kommt, ist eine gute Nachricht. Statistiken sind also nicht alles.

Weitere Gründe, um umzudenken

Die Menschen in Deutschland leben immer länger. Dies wirkt sich auch auf die Lebensqualität aus. Der Satz „50 ist das neue 40“ ist nicht unbegründet. Wo unsere Großeltern mit 50 schon sehr alt waren, lebt die neue Generation in diesem Alter richtig auf. Sie gestalten aktiv ihre Freizeit und sind geistig voll auf der Höhe. Wenn wir also körperlich und geistig langsamer altern, bleibt auch mehr Zeit nach hinten, um mit der Familie zu leben. Es ist eine gute Entwicklung, und wir sollten uns über sie freuen.